Vom Bauerndorf zum Industriestandort

Vom Bauerndorf zum Industriestandort

Ursprünglich war Hermsdorf ein Bauerndorf. Viele der Bauern konnten sich ihren Lebensunterhalt nur durch Zuerwerb mit der Herstellung von Leitern, Brettern, Backmulden, Schubkarren, Rechen, Raufen u. a. sichern. Damit verbunden entwickelte sich ein reger Fernhandel mit Pferdewagen über die Alte Regensburger Handelsstraße. An dieser liegt auch das älteste noch erhaltene Gebäude Hermsdorf's, der ehemalige Gasthof „Zum Schwarzen Bär im grünen Walde". Durch diese bedeutsame verkehrsgünstige Lage hatte dieser Gasthof wesentlichen Anteil an der Entwicklung und Erweiterung des Ortes. Holzhandwerker und Fuhrleute waren es, die mit ihrer fleißigen Arbeit zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrugen und die Produkte und den Ruf des Holzlandes zwischen Nordsee und Alpen verbreiteten.
Ein tiefgreifender wirtschaftlicher Wandel bahnte sich mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Weimar - Gera im Jahre 1876 an. Die Zahl der Landfuhrleute nahm erheblich ab, da die Güter mit der Bahn billiger und schneller transportiert werden konnten. Die industrielle Entwicklung begann für Hermsdorf mit dem Bau der Porzellanfabrik im Jahre 1889 als Tochterunternehmen der Porzellanfabrik Kahla. Die verkehrsgünstige Lage von Hermsdorf, die umfangreichen Waldbestände als Brennstofflieferant und das vorhandene Angebot an billigen Arbeitskräften schufen dafür die besten Voraussetzungen.
Am 6. Januar 1890 nahm die Hermsdorfer Porzellanfabrik die Produktion von Haushaltporzellan auf. Bereits 1892 wurde die Produktion auf Elektroporzellan, insbesondere auf Isolatoren, umgestellt. Die Gründung der Porzellanfabrik aktivierte das Leben in Hermsdorf.

Nach der Jahrhundertwende gewinnt die Porzellanfabrik weiter an Profil und Sortimentsbreite. Produktion, technischer Standard und Export steigen wesentlich an. Die Porzellanfabrik wird wegen ihrer Isolatoren und den wissenschaftlichen Ergebnissen zu Werkstoffen und Bauformen weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Mit dem Bau der Autobahnen in Deutschland und der Entstehung des Hermsdorfer Kreuzes in den Jahren 1936-38 verbesserte sich die Verkehrslage des Ortes entscheidend.
Hermsdorf veränderte sich nach dem 2. Weltkrieg zunehmend zu einem Industriestandort. Die Keramischen Werke Hermsdorf als Nachfolger der einstigen Porzellanfabrik, entwickelten sich zum größten und bedeutendsten Betrieb der Region und hatten in den 80-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zu 7.000 Mitarbeiter. Zahlreiche kommunale Vorhaben konnten durch die vielseitige Unterstützung des Großbetriebes realisiert werden, die betrieblichen Kultur-, Sozial- und Sporteinrichtungen waren der Öffentlichkeit zugänglich.
Infolge der umfangreichen industriellen Erweiterung in den Keramischen Werken und dem damit verbunden neuen Arbeitskräftebedarf veränderte sich mit dem beginnenden Wohnungsbau auch das Hermsdorfer Ortsbild. Im Jahre 1951 wurde mit dem Bau der Friedenssiedlung begonnen, im Zeitraum von 1954-1973 entstanden die Wohngebiete Wildungstraße, Beethovenstraße, Clara-Zetkin-Straße, Käthe-Kollwitz-Platz, Erich-Weinert- und Rudolf-Breitscheid-Straße, das Wohngebiet Am Stadion und ab 1983 das Wohngebiet Grünstädter Platz. Parallel dazu wurden eine Reihe von Versorgungs-, Sozial-, Bildungs- und Sporteinrichtungen, wie u. a. eine Kaufhalle, eine Ambulanz, eine Gaststätte und eine Schülergaststätte, eine Post, eine Sparkasse sowie eine moderne Sporthalle und drei Schulen errichtet.
In Anerkennung des erreichten kommunalen Niveaus und der überregionalen Bedeutung wurde auf Beschluss des ehemaligen Rates des Bezirkes Gera vom 16.09.1969 Hermsdorf am 7. Oktober 1969 das Stadtrecht verliehen.

Hermsdorf bildete das ökonomische, soziale, geistig-kulturelle und sportliche Zentrum des Holzlandes. Nach 1990 hat sich das Bild von Hermsdorf gewaltig geändert. Aus den ehemaligen Keramischen Werken Hermsdorf (KWH) wurde der moderne Industriepark Tridelta entwickelt, wo in ca. 90 Unternehmen ca. 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Dabei wurden zahlreiche Betriebe aus ehemaligen Produktionsbereichen der ehemaligen KWH gegründet, wie Micro-Hybrid, Siegert-Hybrid, Tridelta-Ferrite, TRIWEFO-Werkzeugbau, Tridelta-Überspannungsableiter, Pieper-Oberflächentechnik, HAI-Hermsdorfer Anlagen Instandhaltung, Porzellanwerk Hermsdorf, H.C. Stark, usw. Es haben sich aber auch neue Unternehmen angesiedelt, wie Laser-Cut-Processing, Rigterink-Spedition, Marco Systemanalyse, eropräzisa usw. In der Stadt sind aber auch neue Gewerbegebiete entstanden, wie Ost I unmittelbar an der Autobahn A4 und an der Industriestraße, wo ebenfalls Arbeitsplätze entstanden. Hervorzuheben ist, dass sich aus dem ehemaligen Forschungsbereich ITK nach 1990 die außeruniversitäre Forschungseinrichtung Hermsdorfer Institut Technische Keramik (HITK) entwickelte, die mit ihren wissenschaftlichen Ergebnissen in Thüringen und Deutschland bekannt wurde. Im Frühjahr 2010 wurde das HITK dem Fraunhoferinstitut Dresden IKTS angeschlossen. An der Autobahn A4 unmittelbar am Autobahnanbinder Hermsdorf wurde das 27 ha große Gewerbegebiet Hermsdorf Ost I erschlossen. Hier haben sich vorwiegend Unternehmen aus der Logistik-Branche angesiedelt. Die Phase der wirtschaftlichen Erneuerung ist noch nicht abgeschlossen, die Stadt bemüht sich weiterhin die noch freien Gewerbeflächen zu belegen.

Durch das bekannte 1992/93 umfangreiche rekonstruierte und z. Z. 6-spurige ausgebaute Hermsdorfer Autobahnkreuz Berlin - München (A9) und Dresden - Frankfurt/Main (A4), besitzt die Stadt eine für die Wirtschaft und den Tourismus besonderen Standortvorteil. Die Flughäfen Erfurt und Leipzig sind mit ca. 70 km weniger als eine Autostunde entfernt. Busverbindungen gibt es in Richtung Eisenberg, Gera, Stadtroda, Jena, Kahla und Weida. Mit der Mitte-Deutschland-Verbindung sind mit der DB AG Paderborn und Dresden erreichbar und es bestehen Umsteigemöglichkeiten in Gera und Jena in Richtung Leipzig - Berlin und Hof - München. Die Stadt Hermsdorf verfügt über sehenswerte historische Fachwerkhäuser, die vor allem das Bild der Altstadt prägen. Mit der Sanierung dieser Fachwerkhäuser und der Neugestaltung des Stadtzentrums wurde unsere Stadt ständig attraktiver. Hermsdorf kann sich als Stadt der kurzen Wege bezeichnen. Von der Wohnung zur Kindertagesstätte, der Schule, der Arbeitsstätte, zum Bahnhof, zum Rathaus, zum Arzt, zur Apotheke, zu den Kultur- und Sporteinrichtungen ist alles in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Auch im Straßenbau hat sich in Hermsdorf viel getan. Zahlreiche Straßen sowohl im älteren Stadtteil als auch in der Waldsiedlung wurden komplett mit Gehwegen, Radwegen, Parkplätzen und Straßenbeleuchtung erneuert.

Dabei wurden auch alle Medien in die Straßen und Gehwege verlegt, sodass die oberirdischen Leitungen verschwunden sind und die Versorgungssicherheit verbessert wurde. Erfreulich ist, dass viele Anwohner der sanierten Straßen ihre Häuser ebenfalls in neuem Glanz erstrahlen lassen und so zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen. Mit der Lage Hermsdorfs am Autobahnkreuz hat die Feuerwehr eine besondere Bedeutung. In bis zu 200 Einsätzen rücken die Kameradinnen und Kameraden jährlich aus, wobei die technischen Hilfeleistungen bei Unfällen auf den Straßen voranstehen. Für eine möglichst schnelle Hilfe hat die Stadt 1996 ein neues modernes Feuerwehrgerätehaus gebaut, womit optimale Bedingungen für alle Gefahrenverhütungen und Hilfeleistungen geschaffen wurden. 1996 schloss sich die Stadt Hermsdorf mit den um das Hermsdorfer Kreuz liegenden Gemeinden Mörsdorf, Reichenbach, Schleifreisen und St. Gangloff zur Verwaltungsgemeinschaft Hermsdorf zusammen. Das Rathaus wurde für die erweiterte Verwaltung zu klein, sodass sich Hermsdorf entschloss, aus der ehemaligen Hochspannungshalle ein Multifunktionsgebäude für Verwaltung und Kultur zu entwickeln. Für ein vielseitiges Freizeitangebot stehen nicht nur der Stadthaus- und Rathaussaal, das Vereinshaus, eine Bibliothek und eine Technische Sammlung zur Verfügung, sondern auch eine multifunktionale 3-Felder-Sporthalle (auch für kulturelle Großveranstaltungen nutzbar), eine Kegelbahn, zwei Sportplätze mit moderner Leichtathletikanlage, eine 5-Bahnen Kegelanlage, drei Bolzplätze und eine Skateboard-Bahn laden zum Sporttreiben ein.

Über 50 Vereine auf den Gebieten Kultur, Sport, Tradition und Sozialwesen bieten zahlreiche Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung.
Zu den kulturellen Höhepunkten zählen der Fasching, das Maibaumsetzen, das Straßenfest und das Weihnachtskonzert.
Von Hermsdorf aus kann man für die Naherholung den Zeitzgrund mit dem gut ausgeschilderten Naturlehrpfad und das Eisenberger Mühltal mit seinen zahlreichen zu Gaststätten umgebauten Mühlen empfehlen. Im ausgedehnten Waldbestand zwischen Jena und Gera wurden in und um Hermsdorf ca. 300 km Rad- und Wanderwege angelegt. Für Besucher stehen zahlreiche gastronomische Einrichtungen mit der bekannten guten Thüringer Küche und ca. 100 Betten zur Verfügung.
Nicht nur die Stadt, sondern auch die Umgebung und die Natur um das Autobahnkreuz laden zu einem Besuch nach Hermsdorf ein.


Siehe Tourismus